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Die 12 Eigenschaften im Detail

Was genau verbirgt sich hinter den einzelnen Wertefeldern? Um sie besser zu verstehen, ist es wichtig, die genaue Zusammensetzung zu kennen. Ein Blick in die Details hilft dabei weiter.
Gewissenhafter Arbeiter / die gewissenhafte Arbeiterin

Für die Deutschen ist die Bundeskanzlerin / der Bundeskanzler im Kern ein zuverlässiges Arbeitstier. Diese Eigenschaft ist sehr, sehr wichtig: Die an diesem Wertefeld beteiligten Begriffe erfahren eine Zustimmung von 91,9%.

Wer das höchste Regierungsamt innehaben möchte, muss im berechenbar sein (Berechenbarkeit = Verlässlichkeit + Logik). Man wünscht keine irrationale, sprunghafte Nummer 1 an der Regierungsspitze.

Ergänzt um Fairness als Kombination von Respekt und Gerechtigkeit entsteht so das Wunschbild des fleißigen Arbeiters der/die gut mit den Menschen umgeht.

Dazu kommt noch ein übergeordneter Aspekt, den wir „Systemrelevanz“ genannt haben: Der Regierungschef/die Regierungsschefin soll auch von Verantwortung und Ordnung geprägt sein.

Anmerkung: Der erste Arbeitstitel für dieses Wertefeld war „der Anti-Trump“, denn es beinhaltet alles, wofür der ehemalige US-Präsident nicht stand:

Man will keinen irrationalen, unverlässlichen Amtsinhaber, der seine / ihre Zeit lieber auf dem Golfplatz verbringt, andere unfair und respektlos behandelt und prinzipiell die bestehende Ordnung auf den Kopf stellt.

Powertyp

Auch dieses Wertefeld ist enorm wichtig. Mit einem Durchschnittswert von 93,1% gehört dieses Wertefeld zu den stärksten, die wir mit Emotional Territories je gemessen haben. Der ideale Kanzler / die ideale Kanzlerin weiß was er/sie will und geht mit voller Kraft zur Sache.

Optimist / Optimistin

Die Deutschen wünschen sich keine verzagten Schwarzseher an der Spitze. Probleme sollen mit Mut und Zuversicht (=Optimismus) angegangen werden. Ein Kanzler/eine Kanzlerin soll Hoffnung ausstrahlen.

Anmerkung: Auch hier ist die Abgrenzung interessant. Die Schwarzmaler werden zwar viel gehört, aber offensichtlich nicht viel geliebt.

Vorbehaltlos

Ein weiteres Feld, das beschreibt, wie sich der ideale Kanzler / die ideale Kanzlerin arbeitet: Eine überwältigende Mehrheit wünscht sich eine hingebungsvolle Person an der Spitze, also jemanden der voll in der Aufgabe aufgeht. Allerdings darf das nicht zu einem Tunnelblick führen. Hier zeigt sich die Stärke von Emotional Territories: Hingabe wird in Verbindung mit Toleranz gesehen. Zwei Begriffe, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben, sich aber gut ergänzen: Man wünscht sich sowohl extreme Zuwendung als auch Offenheit.

Kein Einzelkämpfer / keine Einzelkämpferin

Auch niedrige Zustimmungswerte zu einzelnen Items enthalten eine wertvolle Aussage. Werte und Emotionen wie Angst (15,6%), Einsamkeit (21,2%) oder Rebellion (24,6%) werden weniger mit dem idealen Kanzler / der idealen Kanzlerin verbunden. Man wünscht sich keinen verlorenen, verzagten Gegen-den-Strom-Schwimmer. In der Verbindung der Werte ergibt sich das Wunschbild des „Nicht-Einzelkämpfers“. Dies lässt sich im Umkehrschluss so verstehen, dass ein Bundeskanzler bzw. eine Bundeskanzlerin nicht nach dem Motto „It’s lonely at the top“ agieren soll, sondern sich als Teamplayer versteht.

Beharrlich

Dass der Bundeskanzler / die Bundeskanzlerin kein Jammerlappen sein darf, ist den Deutschen durchaus bewusst. Jeweils mehr als 85% wünschen sich Ehrgeiz und Hartnäckigkeit vom Regierungschef / der Regierungschefin.

Original

Während die bisherigen Wertefelder auf die Arbeit bzw. den Arbeitsstil des Bundeskanzlers / der Bundeskanzlerin bezogen werden können, beschreiben dieses und die folgenden Felder eher seine / ihre Ideal-Persönlichkeit. Im Kern steht dabei der Wunsch nach einem authentischen Original: Gewünscht sind Eigenschaften wie Freude, Herzlichkeit, Humor und Natürlichkeit. Das fühlt sich nach jemandem an, mit dem man Pferde stehlen kann.

Besonders interessant ist, dass all diese „Kumpel-Werte“ durch den Wert „Freiheit“ ergänzt werden. Wahrscheinlich lässt sich das am besten so interpretieren: Trotz aller Kumpelhaftigkeit bleibt der ideale Kanzler / die ideale Kanzlerin ideale Kanzler eine eigenständige Persönlichkeit, die sich nicht anbiedert.

Der Kümmerer / die Kümmerin, die einen nicht erdrückt

Interessant bei diesem Wertefeld ist, dass es aus zwei Teilen besteht, die sich gegenseitig ergänzen. Zum einen findet man eine Kombination klassischer „Wohlfühlwerte“ wie Freundschaft, Liebe und Geborgenheit. Hier erkennt man den Wunsch nach dem umarmt werden. Ergänzt wird der Wunsch nach Nestwärme durch eine interessante Kombination von Spaß und Entspannung, die man durchaus als Lockerheit interpretieren kann. Die Fürsorglichkeit darf offensichtlich nicht in eine Bemutterung bzw. Bevormundung ausarten.

Ein bisschen „Easy going“ ist durchaus gewünscht.

Leidenschaftlichkeit

Der ideale Kanzler / die ideale Kanzlerin soll nicht unbedingt ein heißblütiger Gefühlsmensch sein. Werte wie Lust, Sinnlichkeit und Unbeschwertheit, die dieses Wertefeld ausmachen erfahren eine eher durchschnittliche Ausprägung zwischen 43% und 60%. Werte um die 50% lassen sich in zwei Richtungen interpretieren: Zum einen kann es bedeuten, dass das jeweilige Item nicht relevant ist und bei der Ja-Nein-Abfrage mehr oder minder zufällig die eine oder andere Antwort gegeben wird. Zum anderen könnte es auch heißen, dass die jeweiligen Items extrem polarisieren. Aus dem Zusammenhang erscheint die erste Interpretation wahrscheinlicher: Für einen Regierungschef ist Sinnlichkeit und Lust wahrscheinlich eher irrelevant.

Innovator / Innovatorin

Anders sieht das bei diesem Wertefeld aus. Hier gibt es zwar auch Werte um die 50% (Fantasie und Spontanität). Sie sind aber jeweils um Werte ergänzt, die deutlich darüber liegen (Abwechslung 64% bzw. Neugier 73,7%) So entstehen zwei Aspekte: Spontanität und Abwechslung ergänzen sich zu Vielfalt – also einer Abkehr vom Einerlei. Gleichzeitig gibt es den Wunsch nach dem Entdecker-Typen, manifestiert durch die Kombination von Neugier und Fantasie.
Alles in allem: Der Regierungschef / die Regierungschefin muss eine antreibende Persönlichkeit sein.

Selbstkontrolle

Ein Kanzler / eine Kanzlerin ist natürlich Teil einer Regierungs- und Parteimaschinerie, eingebunden in nationale und internationale Netzwerke. Dennoch – oder vielleicht deswegen – wünschen sich die Deutschen vom idealen Kanzler / der idealen Kanzlerin eine zunächst sehr merkwürdige anmutende Kombination von Eigenschaften: Die Verbindung von Selbstbestimmung (73,8%) mit Sparsamkeit (69,7%). Wir erklären das so: Ein Regierungschef / eine Regierungschefin muss sich in jeder Form unter Kontrolle haben. Dazu gehört nicht nur die klassische Selbstbestimmung, sondern auch ein kontrollierter Umgang mit den Mitteln der Macht – sprich: dem Umgang mit Steuergeldern. Unkontrollierte Ausgabenfreude passt offensichtlich weder zur Situation noch zur Person.

Patriotismus

Als letztes Wertefeld und gleichsam die oberste Ebene des Emotionsgeflechts steht das Wertefeld „Patriotismus“. Gerade angesichts wachsender nationalstaatlicher Bewegungen auf der ganzen Welt muss man dieses Feld genau verstehen.

Es teilt sich in zwei wichtige Komponenten. Zum ersten den Bereich „Herkunft“, der aus den sehr hoch bewerteten Items Tradition (71,8%) und Heimat (84,7%) besteht. Hier erkennt man viel vom klassischen Konservatismus wieder. Dieser Wert muss aber nicht zwangsläufig ein Widerspruch zum Wertefeld 10 „Innovator“ sein, sondern beschreibt eher die grundsätzliche Verortung des Kanzlers / der Kanzlerin. Man muss in diesem Zusammenhang an das Bismarckwort der „vaterlandslosen Gesellen“ denken. Das sollte der Kanzler die Kanzlerin eben auf keinen Fall sein. Er sollte in hohem Maß seine Verwurzelung im Hier und Jetzt fühlen lassen.

Zweiter Aspekt des Patriotismus ist die Kombination aus den Werten „Status“ ( 64,3%), Überlegenheit (62,3%) – von uns zu „Prestige“ zusammengefasst mit Wert „Stolz“ (75,4%). Diese Mischung könnte relativ leicht ins nationalistische driften. Allerdings muss man erkennen, dass die Werte „Status“ und „Überlegenheit“ zwar überdurchschnittlich aber nicht extrem ausgeprägt sind. Der Stolz leitet sich also weniger aus einem Überlegenheitsgefühl als aus dem Status. Wir sind toll – ohne zu sagen, dass wir toller sind als andere. Auch hier hilft vielleicht die Parallele zu einem historischen Satz: „Wir sind wieder wer“ in diesem Fall vielleicht eher „Wir sind wer“.

Zusammengefasst: man erwartet vom Kanzler Stolz auf den durchaus herausgehobenen Status – wie immer man den auch bewertet.